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Der rote Knopf

Der rote Knopf

Gratis und kostenlos lesen? – Gut wir machen das. Ab und an findest du auf diesen Seiten kurze Kurzgeschichten, Auszüge aus Romowebücher oder andere Dinge, die Dir unsere Autoren und Macher mitteilen wollen. Zum Start lassen wir Romowe-Autor Hagen Ernst in die Tasten hauen. Wir wünschen beste Unterhaltung!

Der rote Knopf

Drück ihn nicht” haben sie zu mir gesagt. Ein unsichtbares Warnschild baute sich jedesmal auf, wenn ich ihn sah. Ihn, den roten Knopf. “Nicht drücken. Unter keinen Umständen!” stand auf diesem Schild, welches nur ich sah. Egal wie ich sass oder stand, ob ich lief oder lag. Dieser rote Knopf hatte einen Augenmagnetismus. Immer wieder verfingen sich meine Blicke auf ihn und im Hirn war dieses Schild. Egal was passieren würde, ich durfte ihn nicht drücken. Nicht drücken! Weder am Morgen, noch am Abend. Nicht beim Frühstück, nicht beim Abendbrot. Nicht, nur nicht; nie; unter keinen Umständen, drücken.

Ein Druck auf diesen roten Knopf könnte die Welt verändern, die Apokalypse heraufbeschwören. Das Unheil bringen. Über mich, über die Welt. Inklusive Nachbarn, Freunde, Kollegen. Der Druck auf den roten Knopf könnte Leben verändern, beenden. Traditionen in Luft und Schall aufgehen lassen. Wahnvorstellung – drück nicht diesen roten Knopf.

Also drückte ich ihn nicht. Nicht am Montag, nicht am Dienstag. Nicht einmal am Mittwoch, als mir der Knopf, obwohl aus meinem Sichtfeld, im Geist herumschwebte. Nein ich hielt auch Donnerstag und Freitag durch. Und Samstag, wie den ganzen Monat und die vorangegangenen Jahre und Jahrzehnte. Es war nur eine Aufgabe, die mir zugedacht wurde. Ich sollte, ich durfte, diesen roten Knopf nicht drücken. Nein, nicht drücken. Bloss nicht drücken. Ich war, ich bin der Herr über den roten Knopf. Mehr hatte ich nicht zu tun. Den Knopf beschützen.

Heimlich, ich kann mich erinnern, als wäre dies eben geschehen, als wäre ich noch dabei, streichelte ich meinen Schützling, sprach mit ihm, das er keine Angst haben müsste. Dieses rote Plastik, hart und doch einladend, würde ich nie drücken. Ich versprach es den falschen und den hoffentlich richtigen Göttern. Ich versprach es mir. Denn ich hatte nur diese Aufgabe übertragen bekommen. Und es war keine schwere Aufgabe. Ich sollte etwas nicht tun. Niemals. Nie. Unter keinen Umständen. Und nicht mal dann, wenn es geschehen sollte. Ich hatte Angst davor. Ich sage ja, keine schwierige Aufgabe. Denn wer übernimmt die Angst schon freiwillig. Wer sollte meinen Lebensinhalt auslöschen. Eine einfache Aufgabe, einfach niemals, nie, diesen zarten roten Knopf drücken. Und alle Gefahren waren gebannt.

Es juckte der Finger. Nach Jahren der erfolgreichen Durchführung meiner Aufgabe, juckte der Finger. Es sind Ticks. Kleine Muskeln bewegen die Sehnen und der Finger bewegt sich. Unkontrolliert. Aber ich schaffte es. Die Götter und mein Körper, ja, vielleicht sogar mein Wille stand mir bei: Ich berührte den Knopf, aber Sehnen und Muskeln waren zu schwach um ihn zu drücken, ihn einzuversenken in die unbestimmte Zukunft. Meine unbestimmte Zukunft. Trotz des Ticks – es geschah nicht. es geschah nichts. Kollegen, Freunde, Nachbarn, Familie – ich; wir konnten weiterleben wie bisher.

Bis heute morgen. Ich konnte dem Knopf nicht mehr widerstehen. Heute morgen, nach dem zweiten Kaffee. Es geschah vor wenigen Sekunden, Minuten oder Stunden. Ich weiss es nicht mehr. Zumindest nicht genau. Es war nach dem zweiten Kaffee, von heute oder gestern. Ich sah mich, wie in einem Film. In Zeitlupe. Als wären Hirn und Herz ausgeschaltet. Ein Untoter, ich; ein Zombie, ich; ein Mutiger … im Film. Ich war es, aber ich konnte den Verlauf nicht ändern. Ich hatte keine Reaktion. Keine Möglichkeit. Ich sah wie ich zudrückte. Mein Zeigefinger der rechten Hand steuerte auf den unscheinbaren und doch so sichtbaren roten Knopf zu und … er drückte ihn hinab. Ich drückte ihn hinab.

Stille, Totenstille. Gekreische.

Der Fernseher war aus. Ich hörte Vögel, Nachbarschaftslärm. Mein Hirrn musste sich neu orientieren. Ich öffnete die Fenster, sog die frische, klare Luft in mich auf. Sah Sonne, Bäume, Himmel und Strasse. Ich war frei. Der ungewissen Zukunft gewiss. Selbstgesteuert. Ablenkungsfrei. Anders.

Nun bekam ich eine neue Aufgabe vom Universum: “Drücke nie, nie, niemals den roten Knopf” Und die Geschichte sollte von vorn beginnen. Bis heute oder bis morgen. Oder bis nächste Woche. Ich habe keine Fernsehprogrammzeitschrift. Die Zukunft kann kommen und ist bereits da.

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